Ein neues Projekt beginnt

im Februar 2013 von Nikola Geiger-Pollak 

Hier saß ich nun in der Siddharta Primary School in der Nähe von Garma im Solukhumbu, der östlichen Region Nepals auf einer Wiese vor einem Schulgebäude im Kreis mit etwa 25 wichtigen, offiziellen Männern. Unser großes Wunschprojekt, eine Schule für körperlich behinderte Kinder sollte starten und der Anfang fand heute statt: die Auswahl des Grundstücks, auf dem die Schule gebaut werden sollte.

Sonam und ich waren nach Dulumse gewandert, um hier unter freiem Himmel an der große Besprechung über die neue Behindertenschule teilzunehmen. Es kamen diverse Schulleiter, Regierungsbeamte, Leute aus dem Dorf- und aus dem Schulkomitee. Es waren sicher 20 – 25 Offizielle da und einige Eltern. Wir beschlossen eine Zusammenarbeit zwischen HCF, dem örtlichen Schulkomitee und der Regierung in Bezug auf das Behindertenprojekt. Das heißt, dass HCF das Gebäude mitfinanziert und für den laufenden Unterhalt sorgen wird. Die Regierung sagte Lehrerstellen und  finanzielle Mittel zu und die Dorfbevölkerung wird beim Bau helfen. Das Gelände der Siddharta Primary School erscheint allen ein recht guter Standort zu sein und schließlich unterschrieben wir alle ein Papier, auf dem das festgehalten wurde.

Es war interessant inmitten von wichtigen Offiziellen zu sitzen, die alle Nepali redeten. Zwischendurch übersetzte mir einer das Wichtigste ins Englische und sie baten um die Stellungnahme von der Himalayan Care Foundation.

Es ist schön, dass wir nun den Grundstein für unser neues Projekt gelegt haben und es scheint mir auch gut verankert zu sein. Alle sind zufrieden, dass nun der Startschuss gegeben ist und wir nach dem Kostenvoranschlag anfangen wollen zu bauen. 

Für mich war das die dritte Reise nach Nepal. Diesmal 16 Tage, in denen wir Zeit hatten, die verschiedenen Projekte zu besuchen, Patenpost zu den Kindern zu bringen,  neue Briefe wieder mitzunehmen und als wichtigstes Projekt ebendiese Behindertenschule voranzutreiben.

Am 6.2.2013 flogen wir ab München über AbuDhabi nach Kathmandu. Mit dabei waren diesmal Judith Schrötter, deren Tochter Sylvie 2012 drei Monate als Volunteer gearbeitet hatte (siehe Bericht) und Vroni  Liebl, die sich besonders für die Montessorischule Leading Stars in Kathmandu interessierte.

Wir drei Frauen kannten uns nicht sehr gut und merkten aber schon bei der sechsstündigen Zwischenlandung in Abu Dhabi, dass wir zusammen viel Spaß haben würden. Wir nahmen uns ein Taxi, erkundeten die Stadt und die wunderschöne Sheik-Zayed-Moschee, die eine der größten Moscheen der Welt ist. 

Nach unserem Weiterflug holten uns Sonam und Dawa am Flughafen in Kathmandu ab und brachten uns in das neue OM-Guesthouse in der Nähe der Stupa. Wir verbrachten vier Tage in Kathmandu, Judith und Vroni mit Sightseeing und ich auch mit Besprechungen mit Sonam und Dawa, dem Besorgen von Sportartikeln für die Schule in Sekar Sing und einem ausführlichen Besuch der Montessorischule Leading Stars.

Am vierten Tag flogen wir nach Phablu und wanderten nach Garma. Auf unserem Weg besuchten wir noch das Kloster Chialsa und trafen die vier jungen Mönche (14-16 Jahre alt), die sich während der gesamten Winterzeit alleine um das Kloster kümmerten.  Abends gab es dann ein großes Wiedersehen mit Sonams Eltern, die uns wieder hervorragend bewirteten. 

Am nächsten Tag wanderten wir bei herrlichem Sonnenschein nach Sekar Sing. Von der Ferne sahen wir schon die aufgereihten Kinder im Schulhof. Bald saßen wir auf den obligatorischen Ehrenplätzen vor der Schule und die Kinder kamen alle mit Katas und Blumenkränzen um uns zu begrüßen. Wir waren ziemlich behängt und hörten uns dann noch einige Reden uns zu Ehren an. Ich musste auch etwas sagen und erzählte, dass wir uns freuen hier zu sein und ihnen Sportsachen bringen zu können. Außerdem, was hier immer sehr wichtig ist, dass wir unsere Hilfe fortsetzen werden, den Paten sei dank. Anschließend  fotografierte ich unsere Patenkinder und nahm fünf neue Kinder auf. Wir bestaunten noch die neuen Toiletten und die White Boards in den Klassenzimmern und zogen dann weiter nach Nele. 

Der Weg führte uns wieder über die Hängebrücke, an der wir die letzten Seidenschals aufhängten, denn es bringt Glück sie an der Brücke zu befestigen. Bald erreichten wir die Anhöhe in Nele unter der die Jogara Schule liegt. Von hier oben sahen wir schon, wie schön die Kinder sich in Reihen aufgestellt hatten. Sie warteten schon über eine Stunde und alle freuten sich sehr, dass wir endlich kamen. Jeder von uns durfte eine Reihe der Kinder abgehen und wurde über und über mit Kränzen aus Rhododendronblüten behängt. Wir konnten gar nichts mehr sehen. Alle freuten sich über die mitgebrachten Geschenke und ich fotografierte die Patenkinder, die zum ersten Mal Post bekamen. Dem Schulleiter erklärte ich, worauf sie beim Briefe schreiben achten sollen und dann sahen wir uns die verschiedenen Klassenzimmer an. Es ist alles sehr schön geworden. Sonam und ich hatten vor dem Besuch beschlossen, dass das Geld von drei Patenschaften ausschließlich für die Anschaffung von Heften verwendet werden soll, die wir beschaffen und die mit unserem Logo versehen werden.  Die Lehrer waren recht angetan von dieser Idee und gaben mir gegen Ende noch den dringenden Wunsch mit, dass sie einen Computer mit Drucker brauchen.

Abends wurden wir von Sonams Eltern eingeladen mit ihnen und vielen Nachbarn zusammen das Losarfest zu feiern, das tibetische „Neujahr“. Hier in Nepal  gibt es verschiedene Kalendersysteme und nach dem Bikram Sabat Kalender befinden wir uns  im Jahr 2071. Es war ein sehr lustiges Fest mit Essen, Tanzen und immer wieder, wie so üblich in Nepal, Stromausfall. 

Am nächsten Tag erreichten wir nach einer knappen Stunde Wanderung Garma. Alle Schüler waren auf dem Hof versammelt, obwohl Feiertag war. Es war der Tag von Saraswati, der hinduistischen Göttin der Bildung und des Lernens. Deshalb wurden wir zwar kurz begrüßt, aber dann auf die Ehrenplätze gesetzt, damit mit der Zeremonie angefangen werden konnte. Bei der Zeremonie huldigten alle der Göttin Saraswati, indem sie zuerst auf Sanskrit beteten und anschließend der Göttin etwas opferten. Sie bekam Rhododendronblüten und die Kinder und Lehrer bekamen ein rotes Zeichen auf die Stirn. 

Anschließend wurden wir begrüßt und ich verteilte die Geschenke und natürlich die Patenpost, auf die die Kinder schon sehnsüchtig warteten. Es gibt zwar leider auch immer einige enttäuschte Gesichter, von den Kindern, deren Paten keine Zeit hatten zu schreiben, doch Verena hatte mir für alle Kinder die Photos mitgegeben, die sie auf der letzten Reise gemacht hatte, so konnte ich jedem Kind etwas überreichen. Wie immer hatte ich natürlich auch viele Luftballons dabei, die schon bald, begleitet von freudigem Geschrei, durch die Gegend flogen.

Wir sahen uns noch die Neuerungen in Garma an. So gibt es jetzt eine neue Küche, einen Waschstein, an dem die Hostel- und die Taubstummenkinder ihre Wäsche waschen können. Außerdem gibt es nun Jungen- und Mädchenschlafräume (nicht mehr nach Hostel- und gehörlosen Kinder getrennt), was ich sehr begrüße, da nun einen gute Integration stattfindet. Das schöne neue Gewächshaus, das von zwei Engländern aufgestellt worden ist und in dem das Gemüse prachtvoll gedeiht, schloss unseren Rundgang ab. Es ist immer schön zu sehen, wie unsere Spendengelder sinnvoll verwendet werden. 

Nach einem Marktbesuch in Salleri am nächsten Tag flogen wir dann wieder von Phablu zurück nach Kathmandu. Sonam meinte, wir wären die letzten Touristen gewesen, die von dem alten Flughafen in Phablu wegflogen, da dieser jetzt für ein Jahr geschlossen wird, damit die Landebahn geteert werden kann. 

In Kathmandu war am nächsten Tag Generalstreik. Die vier Hauptparteien werden von den kleineren bestreikt, weil sie dagegen sind, dass die Maoisten die nächsten Wahlen ausrichten wollen. Deshalb ging gar nichts. Keine Busse, keine Taxis, kein Verkehr und das in Kathmandu. Aus diesem Grund konnten Judith und ich auch nicht in den Chitwan Nationalpark, weil uns die Lage zu unsicher war. Wie immer passiert in Nepal nicht unbedingt das, was man geplant hat. Wir müssen unsere Pläne also mal wieder umwerfen.

Vroni  verbrachte die restlichen Tage noch in der Montessorischule und half Nima im Unterricht. Judith sah sich verschiedene Klöster an und interessierte sich sehr für die tibetische Medizin und ich war noch mit diversen Projekten beschäftigt. 

Am einem Tag fuhren Sonam, Dawa und ich zu einem Waisenhaus in der Nähe von Kathmandu, das um Hilfe gebeten hatten. Es liegt etwas außerhalb in einer recht ärmlichen Gegend. Das Grundstück ist nicht sehr groß. Es sind vier verschiedene Gebäude und in dem ersten Zimmer sind ca. 15 Kinder zwischen 4 und 14 mit einer Frau und machen Hausaufgaben. Ich war sehr erstaunt, als eine Europäerin auf mich zukam. Sie stellte sich als Marian vor und ist aus Holland. Sie erzählte, dass sie seit drei Jahren jedes Jahr hierherkommt. Dieses Jahr ist sie mit ihrer Schwester für sechs Wochen da. Sie helfen hier, räumen auf und versuchen zu bauen, was notwendig ist. Sie erzählte, dass hier eine holländische Organisation mit dabei ist, aber die gibt kein Geld, sondern schickt jedes Jahr ca. 10 Volontäre, die dann hier helfen. Wir schauten uns noch die Zimmer an, in denen die Mädchen getrennt von den Jungen leben. Marian empfindet hier alles als sehr arm, aber wenn man vorher im Solu Khumbu war, ist es nicht so schlecht. Ich machte viele Fotos und versuchte möglichst viel zu erfahren, damit ich es daheim dann im Vorstand vorstellen und besprechen kann. Meiner und auch Sonams Meinung nach, kann man hier vielleicht einmalig mit einer Geldsumme helfen, aber eigentlich konzentrieren wir beide uns lieber auf unsere Projekte im Solu Khumbu. 

Zum Abschluss unseres Aufenthaltes wurden wir von Dawa und seiner Frau Lhemi noch zum Essen eingeladen , bei dem natürlich auch Sonam und Nima dabei waren. Eine wunderschöne, recht lustige Reise ging zu Ende.

Himalaya Care Foundation

Vorstand:
Nikola Geiger
Verena Wilkesmann
Dr. Walter Staaden

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