Juni 2014: Nikola Geigers Nepaleinsatz

Wieder in Nepal. Inzwischen, auf meiner nun vierten Reise, fühlt es sich an wie ein „nach Hause kommen“. Als mein Mann Armin und ich am 6.6.2014 aus dem Flughafengebäude in Kathmandu treten, um nach Dawa und Sonam, unseren HCF-Mitarbeitern in Nepal, Ausschau zu halten, wissen wir, was uns erwartet: Lärm, Chaos, schlechte Luft in Kathmandu, aber auch liebenswerte Leute, ungeplante Abenteuer und ein wunderschönes Land.

Mit dem kleinen Montessorischulbus fahren uns Sonam und Dawa zu unserem Guesthouse in der Nähe der Boudhanath-Stupa: das Rokpa-Guesthouse. Walter, unser HCF-Vorsitzender, hat es uns empfohlen  und nicht zu viel versprochen. Es ist etwas teurer als unsere bisherigen Unterkünfte, aber das ist es auch wert. Wir bekommen ein wunderschön eingerichtetes, sauberes Zimmer mit eigenem Bad und heißem Wasser. Das Rokpa-Guesthouse wird von einer schweizer NGO geführt und das Geld geht zu einem großen Teil in deren Projekte. Wir fühlen uns sehr wohl hier, auch weil es einen gemütlichen Garten hat, eine Oase inmitten der chaotischen Hauptstadt.

Zwei Stunden später bei unserer ersten Besprechung mit Sonam und Dawa tauschen wir uns über unsere Projekte aus und machen Pläne, wie unsere Reise ablaufen soll. Wir erfahren, dass wir schon am übernächsten Tag in den Solukhumbu fliegen werden, denn da ist ein Flug nach Kangel geplant. Die inländische Fluglinie „Nepali Air“ hat momentan nur ein Flugzeug zur Verfügung (eines ist abgestürzt und eines wird gewartet), und so ist es nicht so einfach einen Flug zu bekommen. Die Landebahn des Flughafens in Phablu wird immer noch geteert und so müssen wir nach Kangel ausweichen.

Am nächsten Tag besuchen wir die Montessorischule Leading Stars, ein Projekt von HCF, dass wir inzwischen nicht mehr finanziell unterstützen, weil die Schule nun auf eigenen Füßen steht. Unser Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe hat gegriffen. Wir haben ein paar einfache Lernmaterialien mitgebracht, die von den Kindern begeistert ausgepackt werden.

Nach einer weiteren Besprechung bereiten Armin und ich uns auf den Abflug am nächsten Tag vor. Wir packen um, kaufen noch etwas ein und versuchen der Zeitumstellung Herr zu werden. Schön ist es, wieder hier zu sein.

Um 7.30 sind wir am nächsten Tag am Inlandsterminal des Flughafens. Wir warten und warten. Dann wird unser Flug wegen schlechter Sicht abgesagt. Doch Sonam hat vorgesorgt und so werden wir mit dem Hubschrauber nach Kangel fliegen: teuer, aber dafür kommen wir heute noch an. Um mitfliegen zu dürfen müssen wir wegen dem Gewichtslimit alle, zusammen mit unserem Handgepäck, auf eine Waage. Als Armin inklusive seines Rucksacks im dreistelligen Bereich liegt, müssen sich die Fluglinienangestellten beraten. Durch das hohe Gewicht können sie nun einen Flugpassagier weniger mitnehmen. Wie dieses Problem in Nepal gelöst wird, sehen wir als wir beim Hubschrauber ankommen: es werden ungefähr 60l Benzin abgelassen, damit der sechste Passagier doch noch mitfliegen kann.

Trotz halbleeren Tanks kommen wir nach einem gefühlten Blindflug nach ca 45 Minuten in Phablu an.

Auf dem Weg zu Sonams Elternhaus, unserem Quartier im Solukhumbu, besuchen wir die Mount Everest English Secondary School, in die inzwischen 8 unserer Patenkinder gehen. Wir machen Photos von den Kindern, unterhalten uns mit ihnen und nehmen die Briefe an die Paten mit. Dann geht’s weiter zu Sonams Familie, die uns das Gefühl geben, immer gern gesehene Gäste zu sein.

Am nächsten Tag besuchen wir die Garma Lower Secondary School. Nach der üblichen Begrüßung durch die Kinder und Lehrer, zeigt uns der Schulleiter sehr stolz die Ergebnisse des neuen landwirtschaftlichen Projekts. Das Agricultural Program ist ein Programm der nepalesischen Regierung, das Schülern der 9. Und 10. Klasse Grundkenntnisse der Landwirtschaft beibringt. Jeder, der gut genug ist und Interesse hat, kann teilnehmen. Auch von unseren Patenkindern machen einige mit: Ang Furwa, Sonam Sherpa, Gelu Sherpa. Außerdem vergibt die Schule Stipendien für jeweils 10 Schüler, die aus anderen Schulen kommen und an dem Programm teilnehmen möchten. Die Schule hat Land dazu gepachtet und nun bauen sie Gemüse und Obst, u.a. sogar Kiwis an. Außerdem hat die Regierung Geld zur Verfügung gestellt, um das Erdgeschoss eines neuen Gebäudes zu errichten, welches momentan schon gebaut wird. Für das agricultural program braucht die Schule Zuschüsse und dabei zählen sie auf HCF.

Am nächsten Tag brechen wir auf zu unserer Besuchstour der Schulen in Sekar Sing, Nele Jogara, Maidel und Mukli. In den Schulen werden wir überall herzlich begrüsst, sammeln die Briefe der Patenkinder ein, fotografieren sie und freuen uns, sie alle wiederzusehen.

In Nele Jogara bewundern wir das neue Schulgebäude, das nun zweistöckig fertiggestellt ist. Der Schulleiter freut sich über einen laptop, den ich ihm privat mitgebracht habe und Armin spielt in der Pause ganz begeistert Volleyball mit den Schülern.

Wir übernachten in Nele Bazaar und machen in der Nacht die schlimmste Erfahrung unserer gesamten Reise. In einem der Häuser, die dicht an dicht stehen, bricht ein Feuer aus und die Flammen haben bald weitere Gebäude aus der Häuserreihe erfasst. Drei Häuser sind komplett niedergebrannt und vier weitere sehr beschädigt (ausgeräumt und Dach abgerissen). Es ist das absolute Chaos und alle ca 500 Bewohner von Nele stehen panisch auf der Straße. „What can we do? Can you help us?“ wendet sich ein ca 10jähriges Mädchen an mich. Aber wir stehen auch nur da und sind geschockt. Armin hilft dann Wassereimer nach oben aufs  Dach zu reichen, doch das ist auch nur wie ein Tropfen auf einem heißen Stein.

Wir fürchten teilweise auch um unser Leben und haben unseren Rucksack schon wieder zusammengepackt um notfalls fliehen zu können. Nach zwei Stunden kommt dann die „Kavallerie“ aus Salleri mit einem kleinen Generator, den zwei Mann tragen und mit dem sie dann einen Gartenschlauch betreiben um das Feuer zu löschen. Es klingt jetzt lustig, aber es war wirklich tragisch.

Spontan beschließen wir am nächsten Tag 500,- Euro zu spenden für die Hausbesitzer, deren Häuser abgebrannt sind. Auch der headteacher von Nele Jogara ist unter den Geschädigten. Sein Haus ist zwar nicht abgebrannt, aber sehr beschädigt worden.

Trotz allem brechen wir am nächsten Tag zu den Schulen von Maidel und Mukli auf. Ein wunderschöner Weg erwartet uns hinunter auf 1300m durch eine üppige Vegetation, aber auf dem Rückweg natürlich auch wieder hinauf auf 2300m. Auch dort in Maidel führen wir Gespräche, überzeugen uns von dem Wohlergehen der Kinder und lassen uns erklären und belegen, wie die Spendengelder ausgegeben wurden.

In Mukli statten wir keinen offiziellen Besuch ab, denn wir haben uns nicht angekündigt. Der headteacher i nicht da. Ich habe ihn später an der Jeependstation in Nele getroffen.

Die Regierung baut in Mukli gerade ein neues Gebäude, doch die Wände von zwei der alten Gebäude, die aber weiterhin benutzt werden, sind komplett durchnässt, da auf dieser Seite das Erdreich von außen die Hälfte der Mauer bedeckt. Sinnvoll wäre es, entweder eine Drainage oder zumindest Dachrinnen zu bauen.

Am nächsten Tag  besuchen wir unser neuestes Projekt, die school for differentable children in Siddharta. Bisher wohnen 13 Kinder im Hostel und diese scheinen sich zusammen mit ihrem Betreuer Anil dort sehr wohl zu fühlen. Anil kümmert sich rührend um die Kinder. Inzwischen ist auch seine 18jährige Schwester da, die sich ebenfalls um die Kinder kümmern wird. Sie geht 1-2 Stunden pro Tag in Salleri zur Schule, da sie in zwei Fächern durch den SLC (großer Test nach der 10. Klasse) gefallen ist und diesen nun noch einmal nachmachen kann. Ansonsten kümmert sie sich mit um die Kinder.

Anil und sechs der Kinder treffen wir dann noch am nächsten Tag in Salleri auf dem Markt und kaufen für alle disabled Kinder dann aus eigner Tasche noch T-shirts und Schuhe, da das absolut notwendig ist.

Ein großer Wunsch und auch einen Notwendigkeit des Management-komittees in Siddharta ist die Verlegung einer neuen Wasserleitung ab der Quelle. Die neue Behindertenschule entnimmt aus der Wasserleitung so viel Wasser, dass nicht genügend Wasser bei den Dorfbewohnern ankommt. Aus diesem Grund möchte das Management Committee eine neue Wasserleitung mit größerem Durchmesser ab oben verlegen, damit das Wasser bei allen ankommt. Von uns wünschen sie sich den Kauf des Materials (Wasserleitung), die Dorfbewohner würden die Arbeit machen: Erde aufgraben und Wasserleitung verlegen.

Bevor wir wieder nach Kathmandu fliegen, besuchen wir noch das Namdok Pakea Monastery in Chialsa. Das Management Comittee hat uns eingeladen und wir diskutieren über verschiedene Möglichkeiten eines Neubaus des Küchentraktes, was sehr wichtig wäre, da das Gebäude nicht einmal mehr renovierungsfähig ist. Ich erkläre, dass HCF nur einen Teil dazu beitragen kann und erwartet, dass von ihnen ein Großteil finanziert wird. Ein Ingenieur wird einen Kostenvoranschlag machen und uns zukommen lassen, dann können wir entscheiden, wieviel wir finanzieren wollen. Landwirtschaft soll für den Eigenbedarf betrieben werden und großflächig wird überlegt, ob vielleicht  Papierpflanzen angepflanzt werden sollen um Geld zu verdienen.

Den nächsten Tag verbringen wir wartend am Flughafen von Kangel. Wegen schlechter Sicht wird unser Flug dann am Spätnachmittag abgesagt und so bestellt Sonam für uns für den Morgen darauf einen Hubschrauber, der uns wieder nach Kathmandu fliegt.

In Kathmandu verbringen wir dann noch sechs schöne Tage im Rokpa Guesthouse. Wir werden von Dawa und Sonam nach Hause eingeladen, treffen noch die Patenkinder, die in Kathmandu zur Schule gehen und besuchen Pratab Sing Rai, eines unserer taubstummen Patenkinder, das inzwischen eine weiterführende Taubstummenschule in Kathmandu besucht und dort, abgesehen von etwas Heimweh, recht glücklich ist.

Insgesamt war es eine sehr schöne Reise. Die Herzlichkeit, Dankbarkeit und Gastfreundlichkeit der Leute sind immer wieder schön zu erleben. Durch die vielen Planänderungen testet man jedes Mal wieder die eigene Flexibilität.

Für die Behindertenschule in Siddharta war es ein wichtiger Besuch, der zeigte, dass HCF nicht nur ein Behindertenwaisenhaus hinstellt, sondern sich auch weiterhin kümmert, bis die Hilfe zur Selbsthilfe greift. Es macht mich immer wieder stolz zu sehen, was wir mit Hilfe von unseren nepalesischen Mitarbeitern Sonam und Dawa und vor allem mit Hilfe der kleinen und großen Spenden von so vielen verschiedenen Leuten aus Deutschland alles erreicht haben und wie wir dadurch das Leben von vielen Kindern zum Positiven verändert haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Himalaya Care Foundation

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